Kunstprojekt "Mosaik " im Neubau der Barbarossaschule Erlenbach 2016/1017

Eine große Herausforderung stellte die künstlerische Neugestaltung mehrerer Mosaiken in der neuen Barbarossaschule in Erlenbach sowohl für die Projektleiterin Christiane Leuner, als auch für die Schüler der 8. und 9. Klassen der Mittelschule dar.

Das über 40  qm große Mosaik aus dem Jahre 1975 des Obernburger  Künstlers Richard Reis aus der Aula der alten Barbarossaschule sollte auf  Wunsch des Bürgermeisters Michael Berninger als Zeichen der Kontinuität und um die Identifikation mit dem Neubau zu erleichtern in Form einer Neugestaltung durch die Künstlerin und Kunsttherapeutin Christiane Leuner im Neubau umgesetzt werden.

Ausschnitt des "alten" Mosaikkunstwerkes aus handgefertigten Kacheln von Richard Reis

Frau Leuner konzipierte ein Projekt, bei welchem sie noch während der Bauphase der neuen Schule aus den mit großem Aufwand abgenommenen alten Kacheln ein neues, zentrales Mosaik in der neuen Aula entwickelte und, nach Umzug der Schule in den Neubau, zwei berufspraktische Kunstprojekte mit einer 8. Klasse und der 9. Praxisklasse durchführte.

 

Das "Kunst am Bau - Projekt" erforderte viel Fingerspitzengefühl, da nicht mehr alle Fliesen intakt waren und verwendet werden konnten. Es  sollte schließlich aus den abgenommenen Fragmenten ein neues schlüssiges Gesamtkunstwerk entstehen, in welchem die Symbole der Barbarossasage und das Stadtwappen wieder beinhaltet sein sollten. Die Ausarbeitung und die Umsetzung erforderten von Christiane Leuner  wochenlangen Einsatz auf der Baustelle.


Das neue Mosaik wird auf dem Boden zusammengesetzt und erstellt

Frau Leuner entwarf nicht nur ein Mosaik sondern mit diesem Projekt ein dreidimensionales Raumkonzept, bei welchem sich das zentrale, ca. 30 qm große Mosaik nach einer Seite hin auflöst, in Form von Wellen an  den Brüstungen der oberen Stockwerken fortsetzt und sich im ersten und zweiten Stock quasi in Form von kleineren Mosaiken an der Wand wiederfindet. Im berufspraktischen Kunstprojekt wurden die Mosaike in den oberen Stockwerken mit den Schülern entwickelt und angebracht.

Das fertige Mosaik am Boden               die "Reste" werden in Farben sortiert
                                                           und für die Schülermosaike vorbereitet.

Christiane Leuner bestimmt die genau Lage und Neigung der einzelnen Bruchstücke und bereitet die "Wellen" der oberen Stockwerke vor.

das neue Mosaik wird angebracht.

Die kräftigen Farbakzente der Mosaike wurde von Frau Leuner im Laufe ihres knapp einjährigen Projektes in ein schlüssiges Farbkonzept für die ganze Schule weiterentwickelt. Gezielt gewählte Flächen Farbfelder, verteilt im ganzen Haus und  in engem Bezug zu den Farben des Mosaikes, schaffen vom Blau im Erdgeschoss über das Türkis im ersten Stock bis hin zum Hellblau im zweiten Stock ein Farbgesamtkonzept, in dem  Erkenntnisse der Farbpsychologie umgesetzt wurden.  So entstand das Gesamtkunstwerk "Barbarossaschule", in der schon beim Eintreten in die lichtdurchflutete Aula die freundliche und harmonische Atmosphäre begrüßt.

Im Herbst, nach dem Umzug in die neue Schule, startete das erste Kunstprojekt der 8. Klasse. Den Einstieg dazu erhielten die Schüler und Schülerinnen mittels eines Einführungstages mit Frau Leuner, bei dem sie zuerst die interessanten und zur Verfügung stehenden Farben der Altfliesen genauer analysierten und später eigene Entwürfe für das Mosaik im ersten Stock entwarfen.

Es ging nun darum, die Farben und Formen aus dem großen Mosaik und den Wellen aufzunehmen und in einer  abstrakten Form umzusetzen. Zuerst war die Hemmschwelle beim entwerfen etwas "falsch" zu machen groß, aber beim Malen, mit zunehmender Auseinandersetzung mit dem Thema, entstanden sehr brauchbare, fantasievolle Skizzen, die im weiteren Verlauf, gemeinsam mit Frau Leuner, zu einem Planungsentwurf entwickelt wurde. Die vier ausgewählten Entwürfe verband Frau Leuner zu einer umsetzbaren Vorlage.

Die nächste Herausforderung bestand darin - bei sehr kalter Witterung - die Fliesenreste für das Mosaik vorzubereiten und in kleine Stücke zu klopfen. Dabei war es wichtig sich in Gruppen aufzuteilen und in Teamwork sinnvolle Arbeitsabläufe zu organisieren.

Die Materialvorbereitung ist erledigt, nun kann es losgehen!

Nachdem Christiane Leuner die Umrisse aufgezeichnet hat, arbeiten die SchülerInnen in Kleingruppen am Mosaik. Nach der Einführung ist nun Genauigkeit, Durchhaltevermögen und  viel Geduld gefragt, denn mosaiken ist eine sehr aufwändige Technik, die Jedem viel abverlangt!

Der Entwurf ist an der Wand, nun gehts los

Da die Schülerinnen und Schüler sehr motiviert an die Arbeit gehen, kann man zusehen, wie das Mosaik wächst! Obwohl es sehr anstrengend ist, haben Alle viel Spaß dabei!

Am Wichtigsten ist das genaue Arbeiten!

Neben den Arbeitsabläufen erhalten die Jugendlichen eine umfassende Einführung zur Sicherheit am Arbeitsplatz, Werkzeugkunde und Pflege und Werkstoffkunde. Außerdem rundet ein Kompetenztraining durch Reflektionsgespräche mit Frau Leuner  am Ende jeden Arbeitstages das berufspraktische Konzept ab.

Nach knapp zwei Wochen ist das Mosaik fast fertiggestellt und die jugendlichen Künstler sind schon sehr stolz und erklären den neugierigen Mitschülern in den Pausen, "wie das geht".

Der anstrengendste Abschnitt kommt nach dem Ankleben der Steinchen: das Verfugen--eine aufwändige, anstrengende und sehr nasse Angelegenheit. Aber auch diesen Arbeitsschritt absolvieren die SchülerInne mit Bravour! Am Ende unterstützten vor allem "Freiwillige" die schmutzige Prozedur.

Vorbereitung auf das Verfugen

Die tüchtigsten Jugendlichen helfen beim schwierigen Verfugen des Mosaikes

Die tüchtigsten Jugendlichen helfen beim schwierigen Verfugen des Mosaikes

Die Praxisklasse 9dP startet im Januar 2017 mit ihren Entwürfen für das Mosaik im zweiten Stock. Gerade die Praxisklasse kann aus dem Projekt sehr profitieren, da die Schüler nach Abschluss ein Teilnahmezertifikat erhielten, in welchem sehr genau und differenziert ihre erworbenen oder vertieften Kompetenzen bescheinigt wurden. Denn während des Projektes wurde "eine Baustelle" simuliert und Frau Leuner verlangte ihren "Praktikanten" einiges ab.

Entwurfsphase der Praxisklasse. Hier zeigte sich, dass in dieser Klasse echte Künstler sind!

Der gemeinsam entwickelte Entwurf wird nah dem Aufbringen an die Wand von den Schülern mit den kleinen Steinchen kunstvoll und geduldig beklebt.

stolz präsentieren die jungen Künstler die ersten Arbeitsergebnisse

Teamwork ist gefragt. Organisation und gegenseitige Unterstützung sind wichtig.

Konzentriertes Arbeiten, Genauigkeit und Durchhaltevermögen

Die Gruppen kommen gut und zügig voran, das Mosaik wächst

Das Mosaik in Rohform--nun noch das Verfugen, dann ist das Projekt geschafft!

Auch für die Praxisklasse ist das Verfugen eine äußerst anstrengende Angelegenheit

Blick vom ersten Stock nach oben, zum fertiggestellten Mosaik

Nachdem das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden konnte und die beiden Mosaike der Schülerinnen und Schüler die künstlerische Ausgestaltung und das Konzept von Christiane Leuner umgesetzt  war, wurde am 16.3.2017 das Gesamtprojekt bei einer Feierstunde präsentiert.

Die stolzen Künstler nach Zertifikatsübergabe durch Herrn Bürgermeister Michael Berninger

und Christiane Leuner.

Gemeinsam mit der Schulfamilie und geladenen Gästen, würdigten Herr Rektor Michael Hren und der Bürgermeister Herr Michael Berninger das Projekt und den hervorragenden Einsatz der jugendlichen Künstler. Die Schülerinnen und Schüler präsentierten mit Frau Leuner den aufwändigen Kunstprozess von der schwierigen Bergung des Mosaikes im Altbau, das Gesamtfarbkonzept  und  die Vorbereitung der nutzbaren Steine bis hin zur Umsetzung im berufspraktischen Kunstprojekt.  Die Jugendlichen erläuterten hierbei überzeugend ihre Erlebnisse: "Wir haben gemeinsam durchgehalten", "Es war manchmal anstrengend" und "wir sind stolz auf das, was wir geschafft haben", um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Barbarossaschule ist ein leuchtendes Beispiel für gelungene kulturell-ästhetische Bildung im Landkreis Miltenberg, die mit Hilfe und Unterstützung durch das Kunstnetz, den Bezirk Unterfranken und der Stadt Erlenbach umgesetzt werden konnte.

 

Kontakt: Christiane Leuner,
Kunsttherapeutin, freischaffende Künstlerin, künstlerische Leiterin Kunstnetz Miltenberg, KNK-Beraterin.
Dompfaffenweg 6, 63920 Großheubach, Telefon: 09371 67830,
christiane.leuner@t-online.de